Digitale Farbkontraste
Im Fach Gestalterische Grundlagen entstanden an der KHB 1999 diese angewandten Farbübungen, in denen die Studentinnen und Studenten des Studienganges Produktdesign die sieben analogen Farbkontraste nach Johannes Itten, in einer von ihnen gewählten Grundform am Computer darstellen sollten.
Der Erkenntniseffekt knüpft an ehemalige analoge Farbklang-Übungen an, um diese in der digitalen Anwendung weiterzuführen. Außerdem wurde auf das Vermitteln von Wissen um die verschiedenen Farbmodelle am Bildschirm wie das RGB- Farbsystem und dessen technische Realisierung in der digitalen Anwendung besonderer Wert gelegt.
Farb-an-sich-Kontrast
Der Farbe-an-sich-Kontrast ist der einfachste der sieben Farbkontraste. So wie Schwarz-Weiß den stärksten Hell-Dunkel-Kontrast zum Ausdruck bringt, ergeben Gelb, Rot, Blau den stärksten Ausdruck des Farbe-an-sich-Kontrastes. Zu seiner Darstellung sind mindestens drei voneinander abstehende Farben notwendig.
Hell-Dunkel-Kontrast
Für den Maler sind die Farben Weiß und Schwarz das stärkste Ausdrucksmittel für Hell und Dunkel. Schwarz und Weiß sind in ihrer Wirkung in jeder Hinsicht entgegengesetzt, zwischen beiden liegt das Reich der Grautöne und der Farben.
Kalt-Warm-Kontrast
Im rechten Winkel zu der Achse Gelb-Violett stehen Rotorange und Blaugrün, das sind die beiden Pole des stärksten Kalt-Warm-Kontrastes. Rotorange oder Saturnrot ist die wärmste und Blaugrün oder Manganoxyd ist die kälteste Farbe, während die Farben, die im Farbkreis zwischen ihnen liegen, bald kalt und warm wirken, je nach ihrer Kontrastierung mit wärmeren oder kälteren Tönen.
Komplementär-Kontrast
Zwei pigmentäre Farben, die zusammen gemischt ein neutrales Grau bzw. Schwarz ergeben, bezeichnen wir als komplementäre Farben (subtraktive Farbmischung). Physikalisch sind zwei farbige Lichter, die miteinander gemischt weißes Licht ergeben, ebenfalls komplementär (additive Farbmischung).
Qualitäts-Kontrast
Als Qualitätskontrast bezeichnen wir den Gegensatz von gesättigten, leuchtenden Farben zu stumpfen, getrübten Farben. Farben können auf verschiedene Arten getrübt oder gebrochen werden. Eine reine Farbe kann man mit Weiß, Schwarz, Grau oder der Beimischung entsprechender komplementärer Farben trüben.
Quantitäts-Kontrast
Der Quantitäts-Kontrast bezieht sich auf das Mengenverhältnis von zwei oder mehreren Farbflecken. Er ist also der Gegensatz zwischen viel und wenig oder groß und klein. Zwei Faktoren bestimmen die Wirkungskraft einer Farbe: erstens ihre Leuchtkraft und zweitens ihre Fleckengröße.
Simultan-Kontrast
Mit dem Simultan-Kontrast bezeichnen wir die Erscheinung, dass unser Auge zu einer gegebenen Farbe immer gleichzeitig, also simultan, die komplementäre Farbe verlangt. Die Wirklichkeit einer Farbe ist nicht immer identisch mit ihrer Wirkung. Der Simultan-Kontrast macht die Farbe erst zum ästhetischen Gebrauch tauglich.
Dokumentation 1999
Das Original der Dokumentation, welches gemeinsam mit den Studierenden erstellt wurde, befindet sich auf der CD. Die Software, die nun vor 27 Jahren benutzt wurde, ist mit heutigen Rechnern nur noch schwerlich kompatibel. Auch die Mac-Version ist verloren gegangen. Die Screenshot-Aufzeichnung als MP4-Video ersetzt die originale Wiedergabe, ist aber nun ohne die integrierten CD-Steuerelemente einsehbar.
Beteiligt waren an dem Projekt 1998/99 Studentinnen und Studenten des zweiten Studienjahres Produktdesign der Kunsthochschule Berlin Weißensee: Blank, Gebhardt, Keipert, Main, Regel, Schneider, Steiner, Vietze. Das Konzept zum damaligen Lehrauftrag ist von Bernd Glier realisiert worden.
Als Quelle für die Texte zu den Farbkontrasten diente Johannes Ittens "Kunst der Farbe" Studienausgabe 1987 vom Ravensburger Buchverlag.